Die Geschichte hinter den süßen Kitten

Hallo Ihr Lieben,

 

bei uns ist wieder jede Menge los und wir haben wirklich alle Pfoten voll zu tun. Ihr habt ja bestimmt auch schon mitbekommen, dass zur Zeit einige Kitten bei uns sind.

 

 

Neben ganz viel Freude, die natürlich auch wir an den Kleinen haben, bereiten sie uns viel Arbeit und häufig auch sehr große Sorgen und Kummer. Ich möchte Euch heute mal ein bisschen über die Probleme und die Ursachen für Probleme erzählen, die viele Kitten im Gepäck haben. 

Die meisten Babies, die zu uns kommen, sind die Nachkommen verwilderter Hauskatzen. Wenn wir bzw. die Kätzchen Glück haben, kommen sie mit ihrer Mama zu uns oder werden sogar bei uns geboren. Das ist einfach eine gute Ausgangssituation für die

„Versorgungskette“ – wir kümmern uns um die Mutterkatze und diese hat die nötige Ruhe und die bestmögliche Verpflegung, um sich um ihre Babies zu kümmern. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist natürlich auch, dass die Mutterkatze selbstverständlich nach ihrer Mutterschaft kastriert, gechipt und geimpft wird und auch für sie kann, sofern sie sich noch an den Menschen gewöhnen lässt, ein Zuhause gesucht werden.

So sähe der Optimalfall aus – leider stellt uns der Alltag vor sehr viel facettenreichere Herausforderungen.

 

 

Die geschätzt 2 Millionen verwilderten Katzen sind zu einem Großteil krank oder tragen Krankheiten in sich. Das hat zur Folge, dass auch die Babies sofort mit diesen Krankheiten in Kontakt kommen. Viele sterben qualvoll in ihrer „Freiheit“ oder geben später die Krankheiten weiter. 

Für uns heißt das, dass wir bei jedem Kitten immer im Hinterkopf haben, was alles gefühlt von jetzt auf gleich passieren kann. Auch unserer kleinen Tinkerbell ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. Sie hat den schlimmen – durch einen Biss verursachten – Bruch und die daraus resultierende Amputation des Beinchens gut verkraftet. Vermutlich aber trug sie bereits Krankheiten in sich, die diese Schwächung des Körpers ausgenutzt haben.

Wir waren machtlos und konnten sie auf dem letzten Weg nur noch begleiten, damit sie nicht allein ist.

Andere Kitten kommen zu uns mit verklebten Augen und verklebtem Fell und die Flöhe tanzen Tango auf ihnen. Wir behandeln und versorgen sie … sie bekommen die notwendigen Medikamente und Wärme und Zuwendung … ob sie es schaffen, kann man aber nie vorher sagen. Zu oft schlägt die Realität einfach unerbittlich zu.

Erst wenn die Kitten alt genug sind für die Impfungen und diese auch gut überstehen, können wir aufatmen und einen wichtigen Etappensieg für uns verbuchen.

 

Die Ursache dieser Problematik sind zu viele verwilderte Hauskatzen, die weder kastriert noch geimpft sind. Dem beizukommen ist eine unglaubliche Herausforderung und nahezu unmöglich.

 

Jeder, der ein Herz für Tiere hat, müsste sich da einbringen. Es gibt so viele Menschen, die wilde Katzen füttern und das ist auch wirklich toll, aber viel wichtiger wäre es, Sorge zu tragen, dass diese kastriert werden … der Tierschutzgedanke und die Tierliebe muss einfach weiter reichen, als bis zur Futterschale.

 

Was die Problematik noch verschärft, ist der Umstand, dass es nach wie vor zu viele unkastrierte und ungeimpfte Freigänger gibt. Und das ist nicht nur ein nicht weit genug gedachter Tierschutzgedanke – das ist fehlende Verantwortung!

 

Vielleicht hat auch der ein oder andere die traurige Geschichte der beiden wenigen Tagen alten Katzenbabies verfolgt, die Ende Juni zu uns gebracht wurden. Ein Geschwister der Beiden ist bereits unter der Geburt verstorben, zwei weitere kurze Zeit später bei der Halterin der Katzenmutter. Auch die Beiden, die zu uns kamen, hatten keine Chance – wie wir am Ende feststellen mussten. Es gab organische Anomalien, die ein Überleben ausgeschlossen haben. Die tierärztliche Einschätzung besagte, dass davon auszugehen ist, dass das bei allen Kitten der Fall war und dass es möglicherweise inzestuöse Hintergründe hatte. Das muss nicht heißen, dass Verwandte ersten Grades verpaart wurden – das „Zuchtproblem“ kann auch weiter hinten im Stammbaum liegen.

 

 

Bei diesen beiden Kätzchen handelte es sich um Rassekatzen. In vielen Zuchten – nicht nur bei Katzen – gibt es negative Begleiterscheinungen. Manche sind offensichtlich – andere, wie Neigungen zu bestimmten Erkrankungen, sieht man nicht auf den ersten Blick. Und das ist der Grund, warum Zucht nur sehr verantwortungsbewusst und mit viel Hintergrundwissen betrieben werden sollte – alles andere ist vermehren.

Ihr seht auch dieses Thema bietet ein breites Spektrum an Diskussions- und Handlungsbedarf. Ich freue mich über jeden, den dieser kleine Einblick in die Hintergründe zum Nachdenken anregt. Über jeden, der seine Meinung nun vielleicht überdenkt und gemeinsam mit uns für die Einführung einer Kastrations- und Kennzeichnungspflicht einsteht.

Jetzt muss ich mich wieder um „meine“ Kitten hier kümmern, damit möglichst viele die Chance auf ein schönes Katzenleben bekommen.

 

Habt immer das Wohl der Tiere im Auge – und zwar nicht nur der Tiere, die bei Euch leben, sondern auch ihrer vielen halbwilden Artgenossen.

 

 

Eure Paula