Ein Spitz rekrutiert Verstärkung…

Hallo Freunde,

es hat dieses Mal etwas länger gedauert, bis Ihr wieder von mir hört … das lag an zwei Sachen: zum einen habe ich es etwas ruhiger angehen lassen, damit ich wirklich gesund werden kann und zu anderen musste ich feststellen, dass es hier von der Wiese aus doch etwas schwieriger ist alles im Blick zu halten.

 

Wie dem auch sei … es geht mir inzwischen wieder richtig gut und denjenigen unter Euch, die sich nach meinem letzten Bericht Sorgen gemacht haben, ich könnte hier futtertechnisch nicht gut versorgt werden, kann ich sagen: alles super! Die Unstimmigkeiten bezüglich meines Futters sind Schnee von gestern – ich bin vollauf zufrieden.

Das soll aber auch schon genug von mir sein – schließlich habe ich zuletzt ja fast nur von mir erzählt. Ich finde mich zwar ganz passabel, aber so selbstverliebt bin ich dann nun auch nicht …

Bei uns auf der Wiese ist es ruhig geworden. Kurz nachdem Danilo ausgezogen ist, hat auch Speedy ein Zuhause gefunden. Jetzt sind nur noch Brian und ich auf der Wiese. Das macht uns aber gar nichts, wir zwei haben das hier absolut unter Kontrolle. Was allerdings für mich sehr hilfreich war, war der Umstand, dass auch die Hofkatze Paula manchmal hier ihre Runden dreht. Mir war sehr schnell klar, dass sie mir helfen könnte, mehr Informationen zu bekommen … schließlich bewegt sie sich ganz frei im Tierheim und sie geht sogar ins Katzenhaus.

Ich habe also aufgepasst und, als sie mal wieder über die Wiese schlich, habe ich gerufen: „Hey, Miezekatze, komm doch mal her!“ – Ihr braucht nichts sagen, mir wurde auch recht schnell klar gemacht, dass das keine angemessene Anrede für eine Katze war. – Paula guckte ziemlich grimmig, kam aber näher und fragte: „Was willst du schwarzes Fellmonster? Hast Du was Leckeres für mich?“ Ich war irritiert über diese Frage und als höflicher Hund (der ich tief in mir drin wirklich bin) habe ich natürlich geantwortet. Ich weiß ja nicht einmal, was Katzen lecker finden, geschweige denn, dass ich etwas in meinem Zwinger hätte. Kaum war das ausgesprochen, war Paula auch schon weg – ich kam gar nicht dazu, sie zu bitten, mir mehr über Katzen und das Katzenhaus zu erzählen.

So konnte das nichts werden! Es schien, als bräuchte ich eine andere Vorgehensweise …

Bei Paulas nächstem Besuch auf der Wiese rief ich dann: „Hey, Paula, hast Du so was schon mal gesehen?“ Das war clever … mir war nämlich eingefallen, dass Katzen sehr neugierig sind … sie kam auch sofort und mit hoch aufgestelltem Schwanz (wollte sie mir drohen oder was sollte das) und zitternden Schnurrhaaren fragte sie immer wieder: „Was denn? Was ist da denn?“ Jetzt wusste ich ja, ich muss sofort zum Punkt kommen und darf meine Zeit nicht mit überflüssigen Antworten vertrödeln. Ich sagte ihr, dass ich gerne mehr über Katzen wissen würde und auch gerne hören würde, was im Katzenhaus so los ist und ob sie mir dabei nicht helfen könnte. Sie schien geschmeichelt, entspannte, nahm endlich den Schwanz runter, putzte sich ausgiebig und dann erzählte sie endlich … die ganze Nacht hat sie mir alles mögliche erzählt und erklärt. Am nächsten Morgen hatten meine Tierpfleger schon Sorge, dass es mir nicht gut geht, weil ich so müde war … sie konnten ja auch nicht wissen, dass ich nicht geschlafen hatte.

Ich konnte mir weder alles merken, noch kann ich Euch alles wiedergeben, was Paula erzählt hat. Ich will mal versuchen, das für Euch ein wenig zusammen zu fassen – oder habt Ihr die ganze Nacht Zeit?

Ich habe ja immer gedacht, alle Katzen sind flauschig, suchen sich einen Menschen aus und *zack* haben sie ein neues Zuhause. Paula sagte, dass ich da vollkommen falsch liege – natürlich sind Katzen flauschig, aber so schnell suchen sie sich keinen Menschen aus. Eigentlich wollen sie erst sicher sein, dass ein Mensch „es wert“ ist, dass sie ihm ihre Aufmerksamkeit und Zuneigung schenken. Und Ihr könnt Euch sicher denken, was das braucht … richtig … das braucht sehr viel Zeit. Und wisst Ihr wie viel Zeit das braucht? Ich habe gedacht, na ja dann kommt ein Interessent halt 2 – 3 Mal und gut ist … da hat Paula laut gelacht … manche Katzen nehmen sich Wochen oder Monate, ehe sie sich zugänglich zeigen.

Jetzt ist mir natürlich klar, warum manche von ihnen echt lange bei uns sind. Das hat mich schon ein bisschen traurig gemacht und ich habe die Vermutung geäußert, dass dann wohl einige Katzen immer bei uns bleiben. Aber Paula meinte, Geduld wäre eine Tugend (Katzen sind Ansitzjäger – wusstet Ihr das?) und zahlt sich am Ende fast immer aus. Irgendwann kommt für jede Samtpfote der passende Mensch … und dann, wenn es passt, wenn ein Mensch soviel Geduld und Rücksichtnahme hat, dass er eine besonders skeptische Katze für sich gewinnen kann, dann ist das auch etwas ganz besonderes. Paula sagte noch etwas sehr ergreifendes … sie sagte, dass die Qualität einer Beziehung sich nicht nach der Dauer, sondern nach der Intensität, der Tiefe und dem Füreinander bemisst. – Das hatte was! Ich war sehr beeindruckt!

Sie hat mir von Pinkie und Akie erzählt. Zwei Katzenfreundinnen, die nun auch schon über fünf Monate bei uns sind. Paula sagte, dass beide sehr zurückgezogen sind und lange Zeit gar keinen Kontakt zugelassen haben (inzwischen ist Akie wohl schon etwas aufgetaut und sogar Pinkie hat sich zuletzt von einer Tierpflegerin streicheln lassen). Was aber noch viel schwieriger ist an der Situation, ist, dass Pinkie schon 17 Jahre alt ist. Da muss sich wirklich ein Mensch finden, der sich zurückstellt und dessen Wunsch es ist, diesen zwei Katzen etwas Gutes zu tun.

Oder auch Sunny – sie ist auch schon drei Monate im Tierheim und sitzt nur im Schrank! Da braucht man ja nicht nur einen Menschen mit einem großen Herz für Katzen … der Mensch muss ja auch einen Schrank haben …

 

Ich könnte die Liste noch lange weiter führen, aber ich glaube die eigentliche Aussage ist klar: Wer ein Tier zu sich holt, sollte dies machen, weil er ein respektvolles Mit- und Füreinander anstrebt. Denn wenn man auch die vielleicht nicht so schönen oder unerwünschten Seiten an seinem Vierbeiner akzeptiert, dann findet man das, was so viele suchen: echte Freundschaft!

Paula hat mir versprochen, mich auf dem Laufenden zu halten … und das gleiche mache ich natürlich mit Euch.

Bis demnächst

Euer Atreju