Ein Hotel ist kein Gefängnis

Paulas Blickwinkel vom 1. Mai 2018

Hallo Ihr Lieben,

 

Ihr glaubt nicht, um was ich mich alles kümmern muss. In erster Linie möchte ich natürlich, dass es meinen Gästen gut geht. Damit es ihnen gut geht, muss ich darauf achten, dass es auch meinen Mitarbeitern gut geht. Dabei darf ich selbstverständlich nicht aus den Augen verlieren, dass es auch mir gut geht … ohne mich geht schließlich gar nichts …

 

Zuletzt habe ich immer mal wieder bemerkt, dass meine Mitarbeiter enttäuscht oder auch verärgert sind. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mein Hauptaugenmerk natürlich auf meinen Gästen liegt, so dass meine Mitarbeiter schon sehr enttäuscht oder verärgert sein müssen, wenn mir das so auffällt. 

Ich habe also meine rund 27 Muskeln pro Ohr spielen lassen, um herauszufinden, was denn da im argen liegt. Ich komme jetzt einfach mal ganz schnell zum Punkt: Hauptgrund für Enttäuschung und Verärgerung waren, dass es wohl einige Menschen gibt, die das „Tierheim“ für einen schrecklichen Ort für Tiere halten.

 

Mir persönlich gehen solche Aussagen ja an meiner linken, kleinen Kralle vorbei, aber in diesem Fall scheint es Klärungsbedarf zu geben. Ich habe mir also ein ausgesprochen gemütliches Plätzchen gesucht, um das Thema mal ein bisschen zu zerpflücken und allen, die bereit sind, ein wenig hinter die Kulissen zu blicken, einen Einblick zu gewähren.

Zuerst muss ich offensichtlich noch einmal erklären, dass nur Ihr Menschen es „Tierheim“ nennt … tatsächlich betreibe ich hier ein Hotel für temporär hilfebedürftige Tiere. Hotels kennt Ihr ja auch – das weiß ich, weil auch immer mal jemand über Urlaube erzählt. Ich habe da auch schon oft so Gespräche gehört, in denen gefragt wurde: „Und? Wie war das Hotel?“ … und ganz oft wird dann etwas geantwortet wie: „Das Hotel war eigentlich gut, aber ich musste mich erst einmal an das Essen gewöhnen und die Betten waren auch anders als Zuhause.“ Merkt Ihr was? Auch für Euch ist ein Hotel erst einmal fremd. So geht es meinen Gästen auch. Auch sie haben auf einmal andere Betten, andere Rückzugsmöglichkeiten, anderes Essen und andere Nachbarn. Dafür fehlt auf der anderen Seite alles, was vertraut war. Natürlich ist das erst einmal ein große Umstellung und jeder Gast geht da auf seine Weise mit um. 

An der Stelle kommen meine Mitarbeiter und ich ins Spiel. Wir versorgen unsere Gäste nicht einfach nur mit dem Notwendigen … nein, wir versuchen, sie kennen zu lernen. Wir möchten wissen, welche Bedürfnisse oder auch Probleme sie haben und dann helfen wir ihnen, sich in unserem Hotel wohl zu fühlen. Manche Gäste – egal, ob sie bellen oder miauen – gewöhnen sich sehr schnell ein. Manchmal haben wir aber auch Gäste, die Ballast mitbringen – sei es, dass sie krank sind und einen Tierarzt benötigen, oder auch, dass sie schlechte Erfahrungen oder falschen Umgang verarbeiten müssen. Ab da sind wir eigentlich sogar mehr wie ein Hotel …

Viele Menschen sehen das nicht so. Sie sehen nur ein Kätzchen, dass sich „vor lauter Angst versteckt“ oder einen Hund, der „verzweifelt bellt, weil er raus möchte“. Soll ich Euch sagen, was ich sehe? Ich sehe ein Kätzchen, dass Sicherheit im Rückzug findet und dem wir so viele Rückzugsmöglichkeiten bieten, dass es sich immer sicher fühlen kann … ein Kätzchen, dem wir so lange an seinem Versteck sagen, dass alles in Ordnung ist, bis es uns irgendwann vertraut und raus kommt – freiwillig.

Ich sehe einen Hund, der sein temporäres Zuhause gegen einen Eindringling verteidigt. Ein Eindringling, der nicht selten frontal vor dem Hund steht und ihn direkt ansieht … was soll denn ein anständiger Hund da anderes machen wie bellen?

Ihr seid uns alle willkommen, aber bitte nehmt Euch Zeit! Ärgert Euch nicht, wenn Ihr kein Kätzchen seht, sondern sprecht mit meinen Mitarbeitern. Sie können Euch so viel zu jedem einzelnen Tier erzählen. Seid nicht genervt, wenn ein Hund so laut bellt, dass es in den Ohren schmerzt und man sich nicht mehr unterhalten kann. Zeigt dem Hund Respekt vor seinem Bereich und gebt ihm mehr Freiraum … entfernt Euch ein wenig. Auch hier erzählen Euch meine Mitarbeiter alles, was Ihr wissen möchtet.

Jetzt höre ich Euch fast schon sagen: „Ernsthaft jetzt Paula? So wie Du das beschreibst, hört es sich ja an, als sollten alle Tiere ins Tierheim, weil es da so toll ist… “ Nein! Natürlich nicht. Wir sind ein Hotel und wie bei Euch Menschen auch soll es vom Hotel irgendwann in ein Zuhause gehen – nur bis es soweit ist, sind wir für unsere Gäste da – mit viel Einsatz und Herzblut! Und ganz bestimmt sind wir kein Gefängnis …

 

Hui … jetzt habe ich mich aber doch ganz schön in diesem Thema verloren … damit es heute nicht so ernst endet, will ich noch ein Geheimnis mit Euch teilen. Ihr müsst mir aber hoch und heilig versprechen, das niemandem zu verraten. Katzenmilchehrenwort!!

Dann passt mal auf … spätabends oder manchmal auch nachts treffe ich mich mit anderen Katzen, die hier so im Umfeld leben und dann besuchen wir regelmäßig eine ultramoderne Katzentoilette. Ich kann Euch sagen: das hat Stil! Wo das ist, möchtet Ihr wissen … da werdet Ihr aus dem Staunen nicht mehr rauskommen … Es heißt doch, dass wir ein neues Hundehaus bauen – habt Ihr bestimmt auch schon gehört. Das stimmt so gar nicht.

Die Hunde sind nur Tarnung. In echt ist das eine geräumige und pikfeine sanitäre Einrichtung für Katzen. Seit dort endlich nicht mehr so viel Baugerümpel rumliegt, besuchen wir unser Badehaus regelmäßig und finden es wunderbar. Und nachdem dann auch endlich unsere Toiletten eingebaut wurden, ist es noch viel besser geworden.

 

Niemals hätten wir so einen Wellnesstempel bekommen – der Marketingtrick mit dem Hundehaus war ein exzellenter Coup. Haltet das im Hinterkopf. Wir werden später natürlich aus Gründen der Glaubwürdigkeit auch Hunde dort einquartieren, aber wenn Ihr mich mal auf dem Hof seht und ich Euch zuzwinkere, dann wisst Ihr Bescheid … dann habe ich gerade wieder das Katzen-Badehaus besucht.

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine Zeit voller Wellness!

 

 

Eure Paula