…für uns zahlt keine Krankenkasse!

Hallo Ihr Lieben,

ich bin nun schon einige Zeit wieder im Dienst und ich kann Euch sagen: es war und ist wirklich viel los bei uns.

Bevor ich Euch davon erzähle, möchte ich mich erst einmal bedanken. Ich hatte doch aus meinem Zwangsurlaub eine Bestellung für Katzenmilch aufgegeben – erinnert Ihr Euch? Was soll ich sagen … das hat tatsächlich geklappt … ich hätte in Katzenmilch baden können. Ihr habt soviel Katzenmilch gebracht, dass meine Mitarbeiter komplett eigenständig entschieden haben, dass alle etwas davon bekommen sollen. Zuerst habe ich ein wenig geschluckt, als ich das gesehen habe – ich liebe Katzenmilch nämlich wirklich sehr – aber dann habe ich gedacht: „Ach komm Paula – du bist eine gute Hotelchefin … geteilte Freud ist doppelte Freud.“ … und tatsächlich das zufriedene Schlecken aus allen Richtungen hat mich richtig erfreut.

Ihr habt mich wirklich tief beeindruckt und wenn ich nochmal einen besonderen Wunsch habe, werde ich mich vertrauensvoll an Euch wenden.

Jetzt sitze ich hier und putze mich ganz hektisch, weil ich gar nicht weiß, wie ich eine Überleitung von der leckeren Katzenmilch zum aktuellen Alltag schaffen soll … unser Hotelalltag ist zur Zeit so aufreibend – man kann da keine elegante Überleitung schaffen …

Ihr wisst ja um die Aufgaben meines Hotels. Wir sind hier Anlaufstelle, für Tiere, die gar kein Zuhause haben und helfen Ihnen, eines zu finden – wir sind aber auch Anlaufstelle, für Tiere, die ein Zuhause haben, dieses aber aus den unterschiedlichsten Gründen verlieren. Es gibt Gründe, die sind traurig und unabänderlich – es gibt aber auch Gründe, die uns fadenscheinig vorkommen … aber wir hinterfragen sie nicht. Selbst wenn wir das Gefühl haben, dass eine Geschichte einen – sagen wir – etwas konstruierten Charakter hat, ist es uns egal. Denn Fakt ist nun einmal: ist ein Tier nicht mehr erwünscht, braucht es ein Zuhause, in dem es willkommen ist.

Dank dieser Grundeinstellung können wir uns bei 90% unserer Gäste einfach auf sie konzentrieren und unser Bestes geben, damit sie ein schönes und liebevolles Zuhause finden. Gedanken wie „deshalb gibt man doch keinen Hund / Katze / Kaninchen ins Tierheim“ erstickt diese Grundeinstellung im Keim und wir können uns ganz auf unsere Aufgaben konzentrieren und das ist gut und richtig so!

Dann gibt es da noch diese anderen 10% … auch hier versuchen wir Ärger, Wut und Empörung zu verdrängen, aber es kostet viel mehr Kraft, das dann auch zu schaffen. Manches Mal renne ich dann einfach ein paarmal den Gang im Katzenhaus auf und ab, um ein Ventil für die Wut über die Verantwortungslosigkeit mancher Tierhalter zu haben!

Ich bin mir sicher, dass viele von Euch bei meinen Worten schon an Sky denken und selbstverständlich gehört er zu diesen 10%. Sky, der in einer kalten Nacht auf dem Tierheimgelände ausgesetzt wurde und gestorben wäre, wenn er nicht rechtzeitig gefunden worden wäre.Sky, der einen Schwanzabriss hatte, der zum Kontrollverlust über Blase und Darm geführt hat und letztlich amputiert werden musste.Und auch Sky, der sich dankbar und vertrauensvoll in unsere Hände begeben hat und so dankbar für die Hilfe ist; für den wir weiter kämpfen und den wir aufrichten, wenn die Strapazen der vergangenen Wochen drohen, ihn aufgeben zu lassen.

Sky, der meinen letzten Tropfen Katzenmilch bekäme, wenn es helfen würde… Seit Sky bei uns ist, habe ich von meinen Mitarbeitern oft so Aussagen gehört wie „was für eine Verantwortungslosigkeit“ oder „wie kann man ein Tier in einer solchen Situation nur sich selbst überlassen“ … dann verstummen sie aber wieder und konzentrieren sich ganz darauf im hier und jetzt zu helfen. Ich bewundere sie alle ein bisschen dafür – denn ich kann all diese Gedanken über Verantwortungs- und Herzlosigkeit nicht so einfach zur Seite schieben. Ich frage mich, was das für Menschen sind, denen ein Tier sein Vertrauen schenkt und die es auf widerlichste Art und Weise im Stich lassen, wenn es ihre Hilfe am dringendsten benötigt. Ich wünsche mir nicht, dass diesen Menschen das gleiche widerfährt, wie ihren Tieren. Ich wünsche mir für kein Tier und keinen Menschen, eine solche Erfahrung machen zu müssen, aber ich wünsche mir, dass solche Menschen nie wieder die Verantwortung für ein Tier tragen dürfen. Ich wünsche mir Gesetze und die Umsetzung und Kontrolle, dass sicher gestellt ist, dass so etwas kein zweites Mal passieren kann!

Oder auch eine Lilly, die mit dem Hinweis auf eine mögliche Nierenproblematik oder vielleicht auch Blasenentzündung zu uns gebracht wurde. Auch ihre Geschichte haben bestimmt viele von Euch verfolgt: Lilly hatte schmerzhafte Blasensteine und musste operiert werden! Sie hat versucht, ihren Schmerz weg zu lecken – was natürlich weder funktioniert noch die Situation verbessert hat.

 

 

 

Die 7jährige Icy bei der während der Kastration festgestellt wurde, dass die Gebärmutter so entzündet ist, dass sie entfernt werden musste. Icy hat sich jeder Manipulation vehement entzogen und Mitarbeiter von mir ernsthaft verletzt. Wie viel Schmerzen muss diese kleine Katze erduldet haben und wie viel Angst vor Schmerzen hat sie …

Das sind drei Beispiele, wo es meinen Mitarbeitern und mir doch sehr schwer fällt, Wut und Empörung auszublenden. Um der Tiere willen konzentrieren wir uns auf die jeweilige Situation und setzen unsere Energie dafür ein, den Gästen zu helfen. Aber wenn ich dann mal eine stille Minute für mich habe, überrollen meine Gedanken mich wie ein Tsunami.

Einem Tier ein Zuhause schenken, heißt Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für ein artgerechtes Leben, für eine geistige und körperliche Auslastung und natürlich für Gesundheit und Wohlbefinden! Es ist Teil der Verantwortung zu erkennen, wenn es dem vierbeinigen Freund schlecht geht und dann auch herauszufinden, warum das so ist. Katzen leiden ganz still, aber jeder, der einer Katze ein Zuhause schenkt und seine Samtpfote kennt, wird mir recht geben, dass man Veränderungen bemerkt. Diese muss man ernst nehmen! Katzen werden nicht einfach mal so unsauber! Das hat Gründe, die es zu finden gilt.

Der verantwortungsvolle Tierhalter zeigt sich nicht bei sonnigem Frühlingswetter bei einem schönen Spaziergang – Verantwortung kommt zum Tragen, wenn es schwierig wird, wenn es nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, wenn man wirklich da sein muss für seinen vierbeinigen Freund.

Verantwortung heißt, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn es dem Tier nicht gut geht, oder vielleicht einen Trainer zu Rate zu ziehen, wenn man Probleme hat, die man alleine nicht lösen kann.

Verantwortung kann auch heißen, sich gegen die Anschaffung eines Tieres zu entscheiden, weil man schwierigen, eventuell auch finanziell schwierigen Situationen nicht gewachsen ist.

Ich  weiß, dass meine Mitarbeiter Euch um Unterstützung für Sky und Lilly gebeten haben. Und ich weiß auch, das Eure Anteilnahme und Hilfsbereitschaft unglaublich war. Dafür möchte ich Euch DANKE sagen. Tatsächlich können wir solche Fälle nicht alleine stemmen – dafür bräuchten wir einen Goldesel … wenn vielleicht mal jemand einen Goldesel ins Hotel bringen möchte … der wäre herzlichst willkommen!

Wir wissen, wofür wir das alles machen: für die Tiere! Und wir bitten inständig darum, sich die Verantwortung, die man auf sich nimmt, wenn man einem Tier ein Zuhause schenkt, bewusst zu machen.

Ich wünschte, ich hätte Euch heute mit lustigeren Geschichten aus unserem Alltag unterhalten können, aber manchmal muss einfach gesagt werden, was gesagt werden muss. Auch wenn solche Geschichten zu unserem Alltag gehören, sind sie zum Glück nicht die Regel und bestimmt gibt es beim nächsten Mal schönere Anekdoten …

Bis dahin sage ich: „Kümmert Euch um Eure vierbeinigen Freunde so gut, wie ich es mit meinen Gästen mache!“

Eure Paula