Tommy’s Kolumne

Tommy

Da bin ich mal wieder…
gut schaut‘s aus in den Moerser Katzenstuben. In den letzten Wochen haben mal wieder einige meiner schnurrenden (und manchmal fauchenden) Kollegen ein neues Zuhause gefunden, dass freut mich! Auch wenn ich den Eindruck hatte, dass sie sich bei uns sehr wohl gefühlt haben, geht doch nichts über eigene Bedienstete.

Am längsten sind nun mal wieder zwei schwarze Katzen im Tierheim. Dabei sind die beiden Jungs Manolo und Dexter echt ein kleines Dreamteam. Wenn ich den Beiden von meiner Wolke aus (Flügel habe ich immer noch nicht zugeteilt bekommen, nur ein, zwei mickrige Federkiele haben sich bisher durchs Fell gebohrt) beobachte wie sie so miteinander spielen und toben, vergesse ich oft komplett die Zeit. Wenn man ganz genau hinschaut, und viel Geduld hat, kann ich sogar beobachten, wie sich ihre beiden Schwänzchen ineinander ringeln wenn sie nebeneinander sitzen. Bei Euch Menschen würde das dann wohl „Händchen halten“ heißen.

Letztens konnte ich auch sehen wie Kleopatra, Rachel und unsere eigentliche Einzelgängerin Düwell zusammen durchs Aussengehege getobt sind. Da sieht man mal wieder wie gut Platz tut. Wenn alle genügend Platz haben um sich auch aus dem Weg gehen zu können, kommt man auch mit anderen klar und lässt sich gerne mal auf ein Spielchen ein. Ich gönne es ihnen so, schließlich kenne ich noch von früher das genaue Gegenteil, als die Katzen-Stuben noch gerappelt voll waren. Das fand mancher Katzen-Kollege nicht lustig.

 

„Nicht lustig“ wäre für das, was dem kleinen Bailly widerfahren ist noch maßlos untertrieben. Der kleine Drops, der in einer Mülltüte einfach entsorgt wurde, hat sein Leben nur einem Zufall und beherzten Leuten zu verdanken. Bei so was könnte ich aus meiner Katerhaut fahren. Schlimm, wie wenig Respekt mancher vor dem Leben hat. Aber gerade darum haben wir ihm schon einen Namen gegeben, um sein Dasein zu würdigen. Aber ich sag‘s Euch, man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Nun heißt es aber erst mal Daumen drücken, bis Bailly über den Berg ist.

Bei unseren Kleintieren herrscht gerade Hochbetrieb. Für jedes Kaninchen was ein neues Zuhause findet, steht schon eins auf der Warteliste um aufgenommen zu werden. Unsere Tierpfleger haben echt ein Herz für Mümmelmänner und wir haben eine richtige Meerschweinexpertin als ehrenamtliche Helferin, aber die Kleinsten futtern den Tierheim-Leuten die Haare vom Kopf – umso mehr haben sich die Tierheim’ler gefreut, als dann am Valentinstag eine Tagesration frische Möhren vor dem Tierheim lagen – vielen Dank dafür!

Aber wenn man dann schon Pech hat, kommt ja oft auch noch Unglück dazu! Anfang des Jahres haben sich die Tierheim-Handwerker abgerackert, um das ehemalige Wohnhaus innerhalb weniger Wochen in den neuen Tierheim-Empfang mit Büro und Geschäftsstelle des Tierschutzvereins um zu wandeln. Am letzten Sonntag sollte dann im neuen Seminar- und Gemeinschaftsraum die erste Veranstaltung für unsere Ehrenamtlichen und Mitarbeiter stattfinden. Als die Tierpfleger morgens zum Dienst kamen, wurden sie schon von einem rauschenden Bach erwartet – in der Nacht war ein Durchlauferhitzer geplatzt. Heute bin ich auch schlauer – aber in der Nacht war es hier oben nicht nur besonders finster, sondern auch etwas frisch – da habe ich zwar dem Harndrang aufgrund des Plätscherns nachgegeben, mich dann aber sofort wieder in die Wolken gekuschelt und mir keine Gedanken gemacht wo dieses Geräusch herkommt.

Nun ist der schöne neue Boden komplett auf dem Müll gelandet. Zum Glück hatte wenige Tage vorher unser Katzen-Bespaßer „Bernd“ alte Kontakte spielen lassen, und jede Menge ausrangierte Möbel von seinem ehemaligen Arbeitgeber für das Tierheim ergattert – so wurden wenigstens die Computer vom Wasser verschont. Inzwischen hat eine Spezialfirma angefangen und trocknet das Mauerwerk mit schweren Geräten, und dann heißt es alles wieder in Schuss zu bringen. Wenn dann wieder alles wieder fertig ist, bietet das ehemalige Tierheimbüro übrigens Platz für Beratungen, Gespräche und den Austausch der Ehrenamtlichen untereinander. Nach der Gassi-Runde darf  gerne ein Kaffee zum aufwärmen geschlürft werden und kein Besucher muss mehr im Regen auf einen Ansprechpartner warten.  Dort kann man auch Namensvorschläge hinterlassen für die Fundtiere, die das Tierheim aufnimmt – aber bitte nicht die Blockbuster wie Susi, Paul, Mimi oder *räusper* Tommy – etwas kreativer darf es schon sein!


Aber ich schweife ab… Eigentlich wollte ich mal über die Probleme bei der Haltung von den sogenannten „Kleintieren“ sprechen. Wissen Sie was Kaninchen, Meerschweine und die anderen Nager für Bedürfnisse haben? Ich kann ja von hier aus nicht nur in viele Gärten schauen, sondern auch in das ein oder andere Kinderzimmer – liebe Menschen, da muss ich nun mal meine ganze Lebens- und Tierheimerfahrung in den Ring werfen! Was ich da zu sehen bekomme, lässt mich regelmäßig schaudern. In winzigen Verschlägen und Gitterboxen leben die armen Socken. Oft auch noch schlecht gefüttert und viele in Einzelhaft. Stellen Sie sich mal bitte vor, sie müssten Tag ein und Tag aus im Gäste-WC auf 1,5 qm leben. Einmal am Tag wird die Tür aufgerissen, sie bekommen eine Schale Wasser und eine großes MäcMenü mit Pommes und Mayo serviert und werden dann wieder für knapp 24 Stunden nicht beachtet… Ist das lebenswert? Bei dem Thema sträubt sich mir das Nackenfell, aber da lass ich mir was einfallen – versprochen!

Aber nun möchte ich noch ein paar Worte über die Moerser Tierheim-Hunde verlieren:
Kann mal bitte jemand unseren Brian und die Nelly loben? Die Zeiten in denen Brian und die kleine Nelly meinten den Laden hier voll im Griff zu haben sind längst vorbei. Beide haben echt Potential und das konsequente Training ist richtig erfolgreich. Die alten Dämonen, die sie sich durch „falschen Umgang“ zugelegt hatten, haben keine Macht mehr. Das hab ich jetzt aber nett gesagt, oder? Mal ganz deutlich gesprochen, mussten die ausbaden was die ehemalige Halter versaubeutelt haben – und das sind leider nur zwei Fälle auf einer langen Liste!

Wenn nur mal jemand kommen würde der sich und dem Hund die Zeit gibt um sich gegenseitig richtig kennenzulernen. Ja dann könnte daraus eine Freundschaft fürs Leben werden. Und bis der „richtige“ Mensch kommt, üben sie sich halt in Geduld und erhalten den Feinschliff.

Die witzige Biene und der etwas verwegen ausschauende Charly sind da schon anders gepolt. „Hoppla, hier komm ich, die Welt ist rosa und ihr seid alle meine Freunde!“ Wenn man genau hinguckt, steht ihnen das auf die Hundestirn geschrieben. Um die Beiden mache ich mir keine Sorgen. Sie werden sicher schnell passende Herzen erobern, und ein gutes, neues Zuhause finden.

Heute möchte ich aber auch mal an Noe erinnern. Die Hundedame die seit ihrer Krebserkrankung auf einer Pflegestelle lebt, auf der sie auch bis zu ihrem Lebensende bleiben wird.  Auch so was gehört zu unserer Verantwortung. Deshalb würdet Ihr dem Tierheim sehr helfen, wenn Ihr eine Patenschaft für einen unserer Langzeitgäste übernehmen würdet – übrigens auch ein schönes Geschenk!

Gott sei Dank werden Fundhunde, die keiner mehr abholt, zunehmend seltener – ganz im Gegenteil zu den Katzen, die doch eigentlich dieselbe Fürsorge verdient haben. Das ist hauptsächlich dem Kennzeichnung-Chip und der Registrierung im Haustierregister zu verdanken. So wird in den meisten Fällen schnell das Herrchen oder Frauchen gefunden wenn so ein Lumpi  mal ausgebüxt ist.

Letzte Woche ereignete sich noch ein ganz besonderer Fall im Tierheim – also eigentlich weniger im Tierheim, als in einem Krefelder Wohngebiet… Dort hatte eine Frau im Laufe der letzten Jahre immer wieder mal Hunde aufgenommen. Irgendwann war sie aber nicht mehr Herrin der Lage, Spaziergänge unternahm sie schon lange nicht mehr, und so verrichteten am Ende mehr als zwanzig Hunde ihre Notdurft im eigenen Garten – sehr zum Unmut der Nachbarn. Als dann endlich das zuständige Veterinäramt einschreiten konnte, baten sie uns um Unterstützung. Acht Hunde und sechs wenige Tage alte Welpen haben wir auf einen Schlag aufgenommen und erst mal bei uns im Tierheim untergebracht – eine aufregende Aktion! Immerhin mussten einige Hunde sogar mit einem Betäubungspfeil schlafen gelegt werden, um sie überhaupt auf dem Gelände einfangen zu können… Da wurde ich schon beim Zuschauen richtig unruhig auf meiner Wolke, und ich wäre gerne noch mal zurück in mein altes Revier um mir die ganze Geschichte mal persönlich von den betroffenen Hunden anzuhören.

Dabei komme ich noch auf einen letzten Punkt für heute zu sprechen, den ich nicht unerwähnt lassen möchte: manchmal empfangen meine Katerohren die Frage, ob und warum das Moerser Tierheim nicht Hunde aus dem Ausland eine Chance geben könnte wenn Platz da ist. Zum Glück gibt es Organisation die darauf spezialisiert sind diesen meist netten Hunden zu helfen. Natürlich gibt es auch dort schwarze Schafe, aber die meisten machen ihre Arbeit gut.
Allerdings können die Tierheim-Leute nicht an allen Fronten für die Tiere kämpfen, es heißt ja nicht umsonst: „Schuster bleib bei deinen Leisten“. Sofern wir die Möglichkeit haben, unterstützt das Tierheim bekannte Organisationen und Auslands-Vereine z.B. mit Näpfen, Spielzeug und auch Decken – ab und zu leistet der Tierschutzverein auch „Vermittlungshilfe“ über das Facebook-Profil, aber Hunde aufnehmen kann das Tierheim im Moment aus vielen Gründen nicht. In erster Linie konzentriert sich das Tierheim-Team auf die Arbeit „vor Ort und hilft Mensch‘ und Tier wenn ein Tierbesitzer sich z.B. bei  Pflegebedürftigkeit, Arbeitslosigkeit, Scheidungen oder Allergie nicht mehr um sein Tier kümmern kann. 

So hilft jeder auf seine Art und Weise, aber immer mit dem Ziel, dass sich Freunde fürs Leben finden!

Apropos „Freunde fürs Leben“ zum Schluss muss ich noch etwas Trauriges loswerden: am letzten Samstag ist die blinde Nanny – die alte Tiger-Dame, für die ich vor ein paar Monaten im Tierheim noch den Blinden-Kater gegeben habe – in den liebevollen Armen ihrer Pflegestelle vom Tierheim-Tierarzt erlöst worden. Nach ihrer Reise über die Regenbogen-Brücke haben Lümmel und ich haben sie natürlich in Empfang genommen – im Moment liegt sie eingekringelt auf der Nachbar-Wolke und schnarcht. Sie wird sich bestimmt bald erholt haben und wieder zu Kräften kommen. Im Moment passen Lümmel und ich abwechselnd auf die betagte Nanny auf. So lange sie sich noch nicht an die neuen Umstände hier oben gewöhnt hat, kommt sie ab und zu ins straucheln und tritt schon mal neben eine Wolke.

Da muss ich ganz ehrlich sagen: für den erholsamen Schlaf sind die Dinger echt unschlagbar, aber was die Trittsicherheit angeht, ist das hier mit keiner Berufsgenossenschaft der Welt vereinbar! Es hat den Anschein, dass diese ganzen ehemaligen Beamten der Bauaufsicht nicht hier oben landen nach ihrem irdischen Ableben *zwinker*

In diesem Sinne „auf die Freundschaft!“ –
bis die Tage sagt,

Tommy gähntEuer Tommy

 

 

 

===========================================================================29.02.2016

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eil 11 „Wie alles begann…“ finden Sie hier.
Teil 12 „Himmlischer Sparzwang“ finden Sie hier.
Teil 13 „Tommy’s Wolkenreport“ vom 08.10.2015 finden Sie hier.
Teil 14 „Tommy’s Wolkenreport“ von Hunden und Elektrikern finden Sie hier.
T
eil 15 „von der ersten Feder“ finden Sie hier.

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